Blau im Bus
Die letzten zwei Tage bin ich freiwillig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Berlin unterwegs gewesen. Muss ja auch mal sein. Schließlich hatte ich in der näheren Umgebung zu tun und da wäre es doch geradezu Verschwendung, das Auto zu bemühen und kostbares Benzin zu vergeuden.
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Nach diesen zwei Tagen bin ich erstaunt. Busfahren ist nicht einfach nur eine Form der Fortbewegung. Busfahren ist wirklich ein Erlebnis.
Heute habe ich mir zum Beispiel beim Aussuchen meines Sitzplatzes dermaßen das Knie gestoßen, weil der Bus plötzlich anfuhr (ich glaube, das macht der öfter, wenn er an der Haltestelle steht, oder?) – dass es mächtig gezwickt hat und ich ein dickes Knie hatte, als ich vor meiner Haustür ausstieg. Inzwischen ist es zum Glück nicht mehr dick, aber ordentlich rot und blau. Ich muss eine "günstige" Stelle getroffen haben. Und im Röckchen werde ich in nächster Zeit besonders gut aussehen. Hihi.
Ich mag übrigens diese Doppelstockbusse. Am liebsten sitze ich oben – aber nicht vorn. Den Platz in der ersten Reihe überlasse ich gern den Touristen, denn dort habe ich jetzt zweimal gesessen und jedes Mal schreckliches Herzklopfen gehabt, weil ich die Fahrweise des Busfahrers dann doch arg aufregend fand. Das war mir alles zu knapp. Manchmal habe ich tatsächlich die Augen zugekniffen. Uff.
Hinten oben sitze ich allerdings ganz gern. Man kann gemütlich aus dem Fenster schauen und sieht Dinge, die man aus der Fußgänger- oder Autofahrerperspektive nie entdecken würde. Gestern fuhr ein lustiger Mann hinten oben mit. Er führte Dialoge mit sich selbst. Es ging ums Renovieren, Sport, Politik, Fußgänger und sonst noch was. Und man wusste jedes Mal, wer der beiden er gerade war. Erstaunlich. Sowas passiert einem beim Autofahren natürlich nie. Da such ich mir ja meine Mitfahrer auch selber aus.
Niemals nich mitnehmen würde ich dann beispielsweise Leute, die dermaßen laut mit ihrem Handy telefonieren, dass man jedes einzelne Detail des Gespräches in jedem einzelnen Teil des Busses versteht. Solche Mitfahrer hatte ich gestern nämlich auch. Aber in einem anderen Bus als den Selbstgesprächemann. Das wäre sonst wohl ziemlich wirr und laut geworden, wenn die alle gleichzeitig geredet hätten.
Die Fauna Berlins lässt sich von hinten oben übrigens auch wunderbar beobachten. Auf dem Heimweg entdeckte ich in der Nähe des S-Bahnhofs Heerstraße doch glattweg ein Wildschwein, dass wie eine rasende Wildsau auf dem Bürgersteig neben unserem Bus herrannte (kein Scherz!), diverse Büsche und Zäune übersprang und dann beim Raußendorffplatz zwischen den Häusern verschwand. Sowas. Mitten in Berlin.
Habt ihr solche Sachen schon mal erlebt?? Ich meine, das eben Erzählte waren ja nur kleine Details aus den letzten zwei Tagen mit insgesamt nur vier Busfahrten… Da frage ich mich fast, ob das immer so ist oder der Zufall fleißig am Werkeln war.
Auf jeden Fall hat es Lust auf MEHR gemacht. Ich werde in nächster Zeit wohl wieder öfter mit den Öffentlichen in Berlin unterwegs sein. Es ist wirklich ein Erlebnis. (Auch wenn ich in Zukunft auf blaue Knie verzichten kann…)
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